Dieses Expertenpapier widmet sich der Funktionellen Myodiagnostik und bietet eine fundierte Einführung in Methode, Anwendungsbereiche und wissenschaftliche Einordnung. Ziel ist es, die Grundlagen dieser diagnostischen Herangehensweise verständlich darzustellen und ihre Bedeutung im Kontext moderner Analyse- und Behandlungskonzepte zu beleuchten.
Expertenpapier Funktionelle Myodiagnostik
Stand: 25.8.25
Name der Methode:
Funktionelle Myodiagnostik (FMD)
Name der medizinischen Fachgesellschaft:
Gesellschaft für Funktionelle Myodiagnostik
Vorstand der Gesellschaft:
- Dr Caroline Kunz, Präsidentin;
- Dr Michaela Walter, Vizepräsidentin, Kassiererin;
- Dr Michael Deutinger, Schriftführer
Ursprungsland und Begründer der Methode:
Vereinigte Staaten von Amerika, Dr. George Goodheart, Arzt und Chiropraktiker, 1918 –2008, Michigan
In welchen Ländern ist diese Methode mit einer ärztlichen Gesellschaft vertreten?
International College of Applied Kinesiology (www.icak.com/global-chapters/) mit Australasia inkl. Japan, Baltikum, Benelux, Brasilien, Kanada, Frankreich, Italien, Korea, Russland, Schweiz, Ukraine, Großbritannien, Vereinigte Staaten von Amerika; Deutsche Gesellschaft für Applied Kinesiology (www.daegak.de)
Sind neben berufsberechtigten Ärzten noch andere Berufsgruppen zur Anwendung der Methode
vorgesehen? Wenn ja, welche?
ZahnärztInnen, PhysiotherapeutInnen
Entwicklungsschritte der Methode:
Manuelle Muskeltests (Martin EG, Lovett RW: A method of testing muscular strength in infantile Paralysis. 1915); Entwicklung der Testung spezifischer Muskeln (Kendall HO, Kendall
FP, Boynton DA: Posture and Pain Baltimore: Williams & Wilkins Company; 1952; Kendall’s Muscles: Testing and Function with Posture and Pain, aktuell 6. Auflage, 2023); Gründung der Applied Kinesiology Dr George Goodheart (Goodheart GJ: Applied Kinesiology Research Manuals Detroit, MI, 1964); International College of Applied Kinesiology ICAK wird 1974 gegründet um die Professional Applied Kinesiology zu unterrichten und Forschung zu betreiben; Internationale Ärztegesellschaft für Applied Kinesiology (IMAK) Gründung 1993; Anerkennung des IMAK Diploms durch die Österreichische Ärztekammer 2004; Umbenennung von Applied Kinesiology in Funktionelle Myodiagnostik 2016; Durchführung der Muskeltest Objektivierungs Studie durch Josef Mahlknecht, 2018, veröffentlicht 2025;
Definition und Formen der Anwendung:
Funktionelle Myodiagnostik (FMD) ist eine vorwiegend diagnostische Methode, die durch Testung einzelner Muskeln und durch Beobachtung deren Reaktion auf bestimmte Reize einen Einblick in die funktionellen Zusammenhänge bzw. Störungen des Organismus erlaubt.
Kurzbeschreibung der Methode:
In der Funktionellen Myodiagnostik kommen ein breites Spektrum von konventionellen Therapien, medizinische Arzneien und komplementärmedizinische Methoden zur Anwendung. FMD kann in jede klinische Fachrichtung sinnvoll integriert werden und stellt so eine Diagnoseerweiterung für jede medizinische Fachrichtung dar. Mit Hilfe der FMD können
krankmachende Einflüsse identifiziert werden. Dies können z.B. Narben- und Zahnstörherde, Fehlstellungen im Bewegungsapparat, die Differenzierung von viralen, bakteriellen oder
parasitären Infekten, unverträgliche Nahrungsmittel oder psychische Belastungen sein. Ebenso kann die individuell ideale Therapie oder Arznei gefunden werden. Durch die
unmittelbare Rückmeldung der Adaptivkraft ist die Funktionelle Myodiagnostik ein ideales Beispiel für eine individualisierte Medizin.
Theoretische Grundlage der Methode:
Der Muskeltest erfolgt nach genau definierten, aus der Physiologie und Sportwissenschaft stammenden Kriterien. Die Haltekapazität eines Muskels kann durch verschiedene Stimuli
verändert werden. Wenn das Maximum der isometrischen Adaptivkraft annähernd gleich groß ist wie das Maximum der exzentrischen Adaptivkraft, kommt es nicht zum Nachgeben
der Extremität und der Muskel wird als stabil bezeichnet. Findet sich das Maximum der isometrischen Adaptivkraft bei 50% des Gesamtmaximums der Adaptivkraft, kommt es zum
Nachgeben der Adaptivkraft und der Untersucher nimmt einen instabilen Muskel im manuellen Muskeltest war. Ein stabiler Muskel kann durch eine provozierte Störung der
alpha- und gamma-Motoneuron-Koordination instabil werden. Umgekehrt führen unterstützende Impulse zu einer Harmonisierung der alpha- und gamma-Motoneuron Kokontraktion und dadurch kann ein instabiler Muskel nach dem Impuls stabil sein.
Für die Methode typische Indikationen:
Jede Ärztin und jeder Arzt kann die Funktionelle Myodiagnostik in ihrem/seinem Gebiet anwenden. Als erweiterte Diagnosemöglichkeit kann die FMD u.a. verwendet werden, um
konventionelle Medikamente auf mögliche Verträglichkeit und Wirksamkeit zu überprüfen. Zum typischen Aufgabengebiet der FMD-Therapeuten zählen Allergien, Narbenstörfelder,
Zahnherde, Darmfehlfunktionen, chronische und akute Infekte, Beschwerden des Bewegungsapparates, Kopfschmerzen jeglicher Art, Schwermetall-Belastungen,
Spurenelemente-Mängel, etc.
Ist für die Anwendung der Methode (diagnostisch und/oder therapeutisch) eine ärztliche Exploration (inkl. gründlicher körperlicher Untersuchung) der Patientinnen und Patienten erforderlich?
Ja. Vor Anwendung der Funktionellen Myodiagnostik ist die jeweils fachspezifische Anamnese, Inspektion und klinische Untersuchung und gegebenenfalls Labor- oder
bildgebende Diagnostik durchzuführen.
Existiert für die ärztliche Anwendung der Methode ein spezieller Ausbildungsgang (Curriculum); wenn ja, wie viele Ausbildungsstunden?
Weiterbildungsdauer: Mindestens 18 Monate, 200 Unterrichtseinheiten. Einzel- und/oder Wochenseminare; darüber hinaus mindestens vier Tage Hospitation oder die Absolvierung eines Hospitationskurses sind erforderlich, welche/welcher frühestens nach 100 UE Weiterbildung absolviert werden kann.
Wer organisiert die Weiterbildung?
Die Gesellschaft für Funktionelle Myodiagnostik, die innerhalb der berufsständischen Gremien der Ärzteschaft und für die Interessensvertretung und Ausbildung von Ärzten,
Zahnärzten und Physiotherapeuten zuständig ist.
Welche Voraussetzung (Qualifikationen) bestehen für den Beginn der Ausbildung? (z.B. abgeschlossenes Medizinstudium ja/nein)
studiosus medicinae
Ist zur Erlangung einer ärztlichen Qualifikation für die Methode die ärztliche Berufsberechtigung erforderlich?
Ja
Vergibt die Gesellschaft nach Absolvierung der Ausbildung ein Diplom?
Ja
Gibt es für die Methode ein Ärztekammerdiplom?
Ja
Bibliografie (Textbücher, Lehrbuchartikel, wissenschaftliche Literatur)
www.funktionelle-myodiagnostik.com/methode/literatur/
www.icak.com/library-and-resources/
Welche Art der wissenschaftlichen Evidenz gibt es für die Wirksamkeit der Methode?
(z.B. Fallberichte, Fallserien, kontrollierte Studien, randomisierte kontrollierte Studien, Metaanalysen, experimentelle Studien)
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=applied+kinesiology+manual+muscle+test
oder
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=applied+kinesiology
spezifische Studien: siehe „Zusammenstellung von Arbeiten zum Thema FMD“ Stand Oktober 2024
und: New Diagnostic and Therapeutic Approach to Thyroid-Associated Orbitopathy Based on Applied Kinesiology and Homeopathic Therapy; R. Moncayo et al;
https://www.liebertpub.com/doi/abs/10.1089/acm.2004.10.643
60 Fallbeispiele in „Funktionelle Myodiagnostik und Meridiantherapie, Synthese von Akupunkturlehre und FMD“; Burtscher, E., Suntinger, A.; 2021; Verlagshaus der Ärzte
101 Fallbeispiele in „Der Muskel kennt das Geheimnis“; Ramšak, I.; 2020; Verlagshaus der Ärzte
Gibt es für die Methode Standards zur Anwendungssicherheit, Dokumentation und Qualitätskontrolle?
Standards zur Anwendungssicherheit, Dokumentation und Qualitätskontrolle sind Teil der Ausbildung im Rahmen des Curriculums.
Bekanntheit und Akzeptanz in der Ärzteschaft:
Bei geringem Bekanntheitsgrad gute Akzeptanz
Bekanntheit und Akzeptanz in der Patientenschaft:
Bei mäßigem Bekanntheitsgrad sehr gute Akzeptanz
Gibt es einen oder mehrere internationale Dachverbände der Methode?
International College of Applied Kinesiology ICAK
Dr. Johannes Bernard
(Leiter FMD-Weiterbildung)